ENGINEERING NOTES · Jul 2026
Purdue vs. Zero Trust: kein Gegensatz
Das eine ist eine Segmentierungskarte. Das andere ist eine Zugriffsphilosophie. Wer sie verwechselt, entwirft schlechte Architekturen.
Ab und zu fragt mich jemand, ob Zero Trust das Purdue-Modell in OT „ersetzt”. Kurze Antwort: Sie stehen nicht in Konkurrenz, sie wirken auf unterschiedlichen Ebenen.
Purdue beantwortet die Frage „Wo lebt was, und was darf mit welcher Zone sprechen?” — das ist Architektur, das ist die Karte. Zero Trust beantwortet „Warum vertraue ich genau dieser Verbindung, genau jetzt, von genau dieser Identität?” — das ist eine Philosophie der kontinuierlichen Verifikation, kein Netzwerkdiagramm.
In der Praxis funktioniert die Kombination: Purdue (oder Zones & Conduits aus 62443) für die groben Grenzen nutzen, und Zero-Trust-Prinzipien innerhalb jeder Zone sowie an den sie durchquerenden Conduits anwenden — besonders bei Fernwartungszugängen, heute der häufigste Einstiegspunkt bei OT-Vorfällen.
Was nicht funktioniert: „reines” IT-Zero-Trust direkt auf eine 15 Jahre alte SPS anwenden zu wollen, die keine moderne Authentifizierung unterstützt. Dort liegt die realistische Lösung darin, die Identitätskontrolle am Conduit anzusetzen (Jump Host, Zugriffs-Broker), nicht am Gerät.